Federico Bresciani
Biografie

Federico Bresciani ist ein italienischer Dirigent, dessen künstlerische Arbeit sich insbesondere auf das Repertoire des 19. Jahrhunderts, historisch informierte Aufführungspraxis und das Verhältnis zwischen historischer Forschung und moderner Orchesterpraxis konzentriert. Seine Arbeit am Pult entsteht aus dem Zusammenspiel von Forschung, langjähriger Orchestererfahrung und einem ausgeprägten Interesse an Klang, Flexibilität der Phrasierung und direkter Kommunikation mit den Musikerinnen und Musikern.
Er ist Mitbegründer, Künstlerischer Leiter und Dirigent von Nie | Romantyczni in Gdańsk, dem ersten polnischen Orchester, das sich dem Repertoire des 19. Jahrhunderts auf historischen Instrumenten widmet. Mit dem Ensemble erforscht Bresciani die Klangwelt und Ausdruckssprache der Romantik, mit besonderem Schwerpunkt auf der Wiederentdeckung polnischen Repertoires. Auf den Programmen standen Werke von Moniuszko, Paderewski, Noskowski und Żeleński, die auf Grundlage historischer Quellen und Aufführungspraktiken erarbeitet und zugleich bewusst für ein heutiges Publikum gedacht sind.
Bresciani ist derzeit Assistent von Kent Nagano am Orquesta y Coro Nacionales de España (OCNE) und vertieft damit eine Zusammenarbeit, die aus seiner Tätigkeit mit dem Dresdner Festspielorchester hervorgegangen ist. Mit dem Orchester war er intensiv an der historisch informierten Aufführung und Einspielung von Wagners vollständigem Ring des Nibelungen auf historischen Instrumenten beteiligt, unter der Leitung Naganos und in Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftler Clive Brown.
Die Arbeit an Wagner und an Quellen des 19. Jahrhunderts hat Brescianis dirigentische Entwicklung wesentlich geprägt. Historisch informierte Aufführungspraxis versteht er dabei nicht als Versuch, die Vergangenheit zu rekonstruieren, sondern als Möglichkeit, etablierte interpretatorische Konventionen neu zu hinterfragen und Aspekte wie musikalische Rhetorik, Tempo, Artikulation, Portamento, Balance, Klang und expressive Freiheit neu zu entdecken.
Derzeit absolviert er ein postgraduales Dirigierstudium an der Technological University Dublin bei David Brophy, Chefdirigent des WDR Funkhausorchesters und ehemaliger Chefdirigent des RTÉ Concert Orchestra. Sein Dirigierrepertoire reicht von der Klassik über die Romantik bis in das frühe 20. Jahrhundert und spiegelt sein besonderes Interesse daran wider, wie historische Forschung und moderne symphonische Praxis einander bereichern können.
Die Grundlage seiner dirigentischen Arbeit bildet eine umfangreiche Karriere innerhalb des Orchesters.
Auf Sardinien geboren, schloss Bresciani sein Violinstudium am Konservatorium von Cagliari mit Auszeichnung ab und setzte seine Ausbildung anschließend in Wien an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) bei Florin Zwiauer und Gertrud Weinmeister sowie an der Akademie des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien fort.
Als Bratschist hatte Bresciani führende Positionen in mehreren europäischen Orchestern inne. Von 2012 bis 2017 war er stellvertretender Solobratschist im Frankfurter Opern- und Museumsorchester, bevor er als Solobratschist zur Deutschen Kammerphilharmonie Bremen wechselte. Heute ist er Solobratschist des WDR Funkhausorchesters in Köln und übernimmt zudem eine führende Position in der Bratschengruppe des Dresdner Festspielorchesters.
Darüber hinaus gastierte er als Solobratschist unter anderem beim Gewandhausorchester Leipzig, beim Maggio Musicale Fiorentino, beim Gürzenich-Orchester Köln und beim SWR Symphonieorchester. Im Laufe seiner Orchesterlaufbahn arbeitete er unter Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Herbert Blomstedt, Riccardo Muti, Andris Nelsons, Daniele Gatti, Paavo Järvi, Krzysztof Penderecki, Gianandrea Noseda, Antonio Pappano, Lorin Maazel und Sir Colin Davis.
Fast zwei Jahrzehnte im Orchester haben Brescianis Art zu dirigieren tief geprägt. Die praktische Erfahrung damit, wie ein Orchester zuhört, atmet, reagiert und Klang von innen heraus entwickelt, übersetzt sich in einen Ansatz, der auf Klarheit der Geste, intensivem Zuhören und Vertrauen zwischen Dirigent und Ensemble beruht. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Phrasierung, Artikulation, Klangfarbe, Balance und der natürlichen Reaktionsfähigkeit des Orchesters.
Moderator
Neben seiner Tätigkeit als Dirigent und Orchestermusiker hat Bresciani auch eine parallele Laufbahn als Konzertmoderator entwickelt. Beim WDR Funkhausorchester konzipiert und moderiert er regelmäßig Bühnenformate, die von Familien- und Bildungskonzerten bis zu Projekten reichen, die Orchestermusik mit Film, Gaming und Populärkultur verbinden.
Auch diese Arbeit entspringt derselben Idee, die sein Dirigieren prägt: Musik wird durch Kommunikation lebendig. Ob am Dirigentenpult, im Orchester oder im direkten Austausch mit dem Publikum — Bresciani sucht nach einer Form des Musizierens, die Präzision, Neugier, Spontaneität und eine unmittelbare Beziehung zwischen Ausführenden und Zuhörenden miteinander verbindet.
